Aktuelles vom Förderverein

Das neue Gesetz zum assistierten Suizid

Geschrieben von Dieter Daub am .

Der Deutsche Bundestag hat nach jahrelanger Beratung am 06.11.2015 das Gesetz zum assistierten Suizid beschlossen und greift damit in Bereiche ein, die sich einer gesetzlichen Regelung entziehen; denn Sterben ist ein individueller Vorgang, jeder Tod ein Einzelfall.

Es ist nachvollziehbar, dass der Gesetzgeber keine Vereine oder Gesellschaften im Lande dulden will, die ein Geschäft mit dem Sterben machen. Einen Schutz für die Bevölkerung bedeutet dies aber nur bedingt, weil in einigen Nachbarländern wesentlich liberalere Gesetze gelten.

Der Effekt des Gesetzes ist also zweifelhaft, die Verunsicherung unter Ärzten, Hospizhelfern, Pflegenden und Angehörigen jedoch groß. Die Regelungen, die bisher in Kraft waren, hatten sich bewährt und es macht keinen Sinn, in einer hedonistischen Gesellschaft, in der das Recht des Individuums immer stärker betont wird, mit Hilfe des Strafrechts neue Normen zu schaffen, die letztlich nicht eingehalten werden können. In der intimen Beziehung zwischen Sterbenden und Betreuenden ist kein Platz für Ermittlungsbehörden und Staatsanwälte.

Die Hospizidee fordert die Wahrhaftigkeit am Sterbebett und dieser fühlen wir uns verpflichtet. Wahrhaftigkeit bedeutet aber nicht, dass jeder Gedanke ausgesprochen und jede Tat bekannt werden muss. Es ist vielen offenbar nicht bewusst, dass der in der Rechtssprechung genutzte Begriff „den Tod des Patienten billigend in Kauf nehmen“, wenn dieser unter unerträglichen Schmerzen leidet, auch eine euphemistische Beschreibung der aktiven Sterbehilfe sein kann, die sicherlich in wenigen Fällen auch in 
Deutschland praktiziert wird, über die aber niemand zu sprechen wagt, besonders nicht im Deutschen Bundestag.

Mit den potentesten Schmerzmitteln, den morphiumähnlichen Stoffen alleine kann man einen Menschen schwerlich töten, besonders wenn das Medikament über den Mund aufgenommen wird. Das wissen die Ärzte und das sollten auch die Staatsanwälte und Richter wissen und alle, die einfach einmal nachdenken. Wenn Opioide so gefährlich wären, dann gäbe es keine Fixer, denn sie wären nach dem ersten Schuss tot. Sie injizieren sich so schnell als möglich eine völlig unbekannte Dosis Heroin in eine Vene und erzielen damit, wenn sie an einen ehrlichen Dealer geraten sind, Konzentrationen des Stoffes im Gehirn, die tausendfach höher sind als die, welche bei regelhafter Verordnung erzielt werden können. Und die Junkies sterben nur in Ausnahmefällen.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine gute Schmerztherapie das Leben verlängert und nicht verkürzt, weil der durch den Schmerz erzeugte Stress wegfällt. Dennoch wird diese Fiktion in der Rechtssprechung aufrechterhalten, möglicherweise um das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Sterbendem zu schützen. Es besteht selbst bei vielen Medizinern heute noch die Überzeugung, dass alle Schmerzen mit Hilfe von Schmerzmitteln, speziell morphiumartigen, gelindert werden können. Das stimmt leider nicht und das ist auch einleuchtend, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie Schmerzen entstehen können.

Diese haben eben nicht nur ihren Ursprung im Somatischen, dem Körper, sondern können auch psychische, soziale und spirituelle Ursachen haben. Diese Tatsache ist uns eigentlich auch bewusst. Nicht von ungefähr nutzen wir in „Heimweh“ und „Zahnweh“ dasselbe Wort, die Angelsachsen sagen „heartache“ und „headache“ für Kopfschmerz und Liebeskummer. Und das ist nun wirklich ein Gemeinplatz: Liebeskummer ist nicht mit Schmerzmitteln zu bekämpfen. Nun sind Hospize ja gerade nicht die Orte, an denen der assistierte Suizid oder gar die aktive Sterbehilfe praktiziert werden; in unserem Selbstverständnis sind diese Maßnahmen ausgeschlossen. Hospize und die Palliativversorgung sind Instrumente, welche ein Sterben unter Bedingungen erlauben, die den Vorstellungen des Sterbenden entsprechen und die den Angehörigen ein würdiges Abschiednehmen erlauben.

Diese segensreichen Einrichtungen können den Tod nicht aufhalten oder gar verhindern, sie können aber Schmerz und Trauer abmildern. Die Erinnerung an ein friedvolles Abschiednehmen kann ebenfalls die Trauerarbeit erleichtern.

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